Warum ist mir das Morgenroth

So blutgestreift? die Welt so todt?

Warum strahlt mir das Sonnelicht

Oft so beschwerlich ins Gesicht?

Und warum weint die Wolke mir?

Was traurt der Linde Blüthenzier?

Die Lüfte wimmern: jedes Bild

Ist mir in Trauerflor gehüllt!

Der Thau, beglänzt vom Sonnenschein,

Däucht mir, vom Schnmerz geweint zu seyn,

Die Wohlgerüche in der Luft

Umschwimmen mich wie Gräberduft;

Die lieben Blümlein allzumal

Sind mir versengt vom Sonnenstrahl.

Der Vogel aus der Luft herab

Tönt mir, wie Sterbgesang am Grab;

Und alles, alles um mich her

Scheint kummervoll und thr äneschwer.

Die Farben grün und weiß und roth,

Sind abgestanden, schwarz und todt.

Die Menschen. derenTrost ich such′,

Sind Geister, die im Leichentuch

Mich ansehn bleich, und furchtbarstumm.

Du guter Gott! warum, warum?

Hast du der ganzen Erde Pracht

Zu einem Todtenschlund gemacht? -

Ach nein! die Welt ist noch, wie vor,

Nur dem, der, Freiheit! dich verlor

Ist diese Welt, so schön gemacht,

Ein Todtenschlund voll Fluch und Nacht

Wo alles heult, den Schädel schlägt,

Verzweiflung brüllt, - und Ketten trägt!

O Gott im Himmel mach mich frei

Aus dieser Höllentäuscherei -.


Das Gedicht "Frage" stammt von   (1739 - 1791).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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