Crispus kauft und baut Palläste,

Lebet herrlich, groß und reich;

Hält Maitressen, feyert Feste,

Und traktirt den Fürsten gleich:

Dennoch sagt die karge Stadt,

Daß er nicht viel übrig hat.

 

Mops zählt seinen Eheseegen

Uns in funfzehn Kindern her;

Und man rühmet allerwegen,

Daß sie klüger sind, als Er:

Dennoch sagt die böse Stadt,

Daß er sich verzählet hat.

 

Agnes schlägt die Augen nieder,

Hasset Tanz, Musik und Spiel,

Singet stets Bekehrungslieder,

Und hält auf den Cubach viel:

Doch sagt die verbuhlte Stadt,

Daß sie Fleisch und Blut noch hat.

 

Ueberall verfolgt Selinden

Ein gepudert Stutzerheer;

Jeden weis sie zu entzünden,

Und ihr wird kein Sieg zu schwer:

Dennoch sagt die höhnsche Stadt,

Daß sie keine Freyer hat.

 

Stax beweist aus vielen Fällen

Seinen göttlichen Verstand,

Und aus seinen Ehrenstellen

Sein Verdienst ums Vaterland:

Doch sagt die vermeßne Stadt,

Daß er keins von beyden hat.

 

Mit dem vollen Federhute

Prangt der güldne Gänserich,

Und von seinem edlen Blute

Ueberzeugt sein Wappen mich:

Dennoch sagt die plumpe Stadt,

Daß kein Kutscher Ahnen hat.

 

Crantor richtet alle Sachen

Nach der strengsten Billigkeit,

Und man wird ihn böse machen,

Wenn man ihm Geschenke beut:

Doch sagt die verwegne Stadt,

Daß er sie betrogen hat.


Das Gedicht "Die Bosheiten der Stadt" stammt von   (1726 - 1804).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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