Hört zu! ich will die Weisheit singen:

Die Kunst, sich selbsten zu bezwingen,

Kenn ich, ich kenne sie allein.

Es lehrt kein Dockter und Professer

Sie leichter, gründlicher und besser:

Trinkt Wein!

Dieß lernt euch weise seyn.

 

Müßt ihr euch vor Markolphen beugen,

Seht ihr ihn täglich höher steigen,

Man weist euch ab, läßt Narren ein:

O laßt die Narren beyeinander,

Und schleichet aus der Antichamber

Zum Wein:

Da seyd ihr groß, er klein.

 

Zwingt euch Gelastens Glück zum Neide:

Euch kleidet Wolle: doch ihn Seide:

Ihr geht, er muß gefahren seyn.

Er fahre! und berechne Schulden!

Geht ihr, und gebt den letzten Gulden

Für Wein:

So schlaft ihr ruhig ein.

 

Wenn sich die Nachbarn mit euch zanken,

Und eure kämpfenden Gedanken

Den Tod zum mindsten ihnen dräun:

So lauft ja nicht zum Advocaten;

Ihr könnt euch selbst am klügsten rathen:

Trinkt Wein!

So werdet ihr verzeihn.

 

Wenn Chloris ewig grausam bleibet,

Und Spott mit eurem Feuer treibet,

Das eure Musen kläglich schreyn:

So zittert nicht vor euer Leben;

Eilt, ihnen gleich den Rest zu geben!

Trinkt Wein!

So wird es euch gereun.


Das Gedicht "Der Sieg über sich selbst" stammt von   (1726 - 1804).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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