»Lege das Ohr an die Erde

und höre! ...

und du wirst Hufgestampf hören,

in weiter Ferne nur, aber näher

und näher kommend!«

 

Es liegt etwas in der Luft, mein Freund,

es liegt etwas in der Luft!

Hörtst du den Wettersturm zur Nacht,

wie’s in den alten Eichen gekracht?

wie es die Fensterläden schlug

und heulend im Kamin sich fing?

Sahst du den Himmel heute früh,

wie Blut so rot, brandfackelglüh?!

Es liegt etwas in der Luft, mein Freund,

es liegt etwas in der Luft!

 

Es ist eine seltsame Zeit, mein Freund,

es ist eine seltsame Zeit!

ein immer toller Gehaste von Jahr zu Jahr!

nichts soll mehr bleiben, wie es war!

nichts soll im alten Gleis mehr gehn

und ruhig, fest und sicher stehn!

Ein jeder redet und redet drein,

und jeder will der Klügere sein!

Der eine hofft dies, der andere das,

und keiner aber weiß recht: was?!

Es ist eine seltsame Zeit, mein Freund,

es ist eine seltsame Zeit!

 

Und wie es gestalten sich wird, mein Freund,

und wie es gestalten sich wird?

in welcher Richtung? in welchem Sinn?

ob zu Verderben? ob zu Gewinn?

Die Jungen haben es in der Hand ...

die Jungen mit ihrem Jugendmut,

mit ihrem Glauben, mit ihrer Glut!

und wenn sie furchtlos festen Blicks

hinaussehn über ihr kleines Heut

und über Parteigezänk und Neid ...

dann, glaub ich, gestaltet sich’s gut, mein Freund,

dann, glaub ich, gestaltet sich’s gut!


Das Gedicht "Einem Freunde" stammt von   (1864 - 1920).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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