Wenn ein Gedanke dich durchhellt,

Bei dem du zweifelnd dich mußt fragen,

Ob, ausgesprochen, er der Welt

Verderben oder Heil wird tragen:

 

Dann lass′ die mögliche Gefahr

Ihm nimmermehr sein Recht bestreiten!

Nur Eines prüfe: Ob er wahr?

Nur dieß, nichts And′res darf dich leiten.

 

Erträgt er deines Geist′s Gericht,

Frei lass′ sodann sein Banner wehen!

Der Rest ist deines Amtes nicht,

Nicht du hast dafür einzustehen.

 

Und tauchte er auf seinem Gang

Die Welt in Blut auch und in Flammen:

Wenn schließlich er den Sieg errang,

Wird doch nur Segen ihm entstammen.

 

Denn sieh! ein Zauber, tief und still,

Ist mit der Wahrheit stets verbunden,

Und, gleich dem Speere des Achill,

Heilt sie auch, die sie schlug, die Wunden.

 

Nicht sie, die, ewig treu und rein,

Zusammenhält der Welt Gefüge,

Gefährlich ist der Wahn allein,

Verderben bringt allein die Lüge.


Das Gedicht "Das Entscheidende" stammt von   (1814 - 1894).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Empfehlungen

Weitere gute Gedichte der Autorin:



Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





Zur Startseite: Gedichte