Bischof, ich kann fliegen
Sagte der Schneider zum Bischof.
Paß auf, wie ich’s mach!
Und der stieg mit so ’nen Dingen
Die aussahn wie Schwingen
Auf das große, große Kirchendach.
       Der Bischof ging weiter.
       Das sind lauter so Lügen
       Der Mensch ist kein Vogel
       Es wird nie ein Mensch fliegen
       Sagte der Bischof vom Schneider.

Der Schneider ist verschieden
Sagten die Leute dem Bischof.
Es war eine Hatz.
Seine Flügel sind zerspellet
Und er liegt zerschellet
Auf dem harten, harten Kirchenplatz.
       Die Glocken sollen läuten
       Es waren nichts als Lügen
       Der Mensch ist kein Vogel
       Es wird nie ein Mensch fliegen
       Sagte der Bischof den Leuten.

Alternativer Titel: Ulm 1592


Das Gedicht "Der Schneider von Ulm" stammt von   (1898 - 1956).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Empfehlungen

Weitere gute Gedichte des Autors:



Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





Zur Startseite: Gedichte