Ich sitze vor der Thüre, mir thut die Sonne gut,

Bin gar ein altes Wesen, doch hab′ ich frischen Muth.

Ich seh die Wolken glühen beim Sonnenuntergang

Und von der Linde drüben schallt fröhlicher Gesang.

Am andern End′ des Dorfes, da sitzt ein alter Mann,

Der schaut auch nur von ferne das muntre Treiben an.

Er war der flinkste Tänzer wohl aus der Burschen Schaar,

Wie ich das flinkste Mädchen im ganzen Dorfe war.

Wir tanzten stets zusammen, es sah gar stattlich aus,

Und bei der Kirchweih brachte er mir den schönsten Strauß.

Nun haben wir in Jahren uns schon nicht mehr gesehn,

Denn keiner von uns Beiden kann zu dem Andern gehn.

Zu weit für unsre Kräfte ist jetzt der kurze Steg,

Doch kommen wir zusammen wohl bald auf halbem Weg.

Denn in des Dorfes Mitte, da liegt der Kirchhof still,

Da werden wir uns treffen, so bald der Himmel will.


Das Gedicht "Kleine Dorfgeschichte" stammt von   (1815 - 1892).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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