Wo ist die Hand so zart, daß ohne Irren
Sie sondern mag beschränkten Hirnes Wirren,
So fest, daß ohne Zittern sie den Stein
Mag schleudern auf ein arm verkümmert Sein?

Wer wagt es, eitlen Blutes Drang zu messen,
Zu wägen jedes Wort, das unvergessen
In junge Brust die zähen Wurzeln trieb,
Des Vorurteils geheimen Seelendieb?

Du Glücklicher, geboren und gehegt
Im lichten Raum, von frommer Hand gepflegt,
Leg hin die Waagschal, nimmer dir erlaubt!
Laß ruhn den Stein - er trifft dein eignes Haupt!


Der Text des Gedichts "Wo ist die Hand so zart, daß ohne Irren" stammt von (* 1797-01-12, † 1848-05-24).




Weitere gute Gedichte von Annette von Droste-Hülshoff zum Lesen.



Zur Startseite: Gedichte