Lebt wohl, es kann nicht anders sein!

Spannt flatternd eure Segel aus,

Laßt mich in meinem Schloß allein,

Im öden geisterhaften Haus.

 

Lebt wohl und nehmt mein Herz mit euch

Und meinen letzten Sonnenstrahl;

Er scheide, scheide nur sogleich,

Denn scheiden muß er doch einmal.

 

Laßt mich an meines Seees Bord,

Mich schaukelnd mit der Wellen Strich,

Allein mit meinem Zauberwort,

Dem Alpengeist und meinem Ich.

 

Verlassen, aber einsam nicht,

Erschüttert, aber nicht zerdrückt,

Solange noch das heil′ge Licht

Auf mich mit Liebesaugen blickt.

 

Solange mir der frische Wald

Aus jedem Blatt Gesänge rauscht,

Aus jeder Klippe, jedem Spalt

Befreundet mir der Elfe lauscht.

 

Solange noch der Arm sich frei

Und waltend mir zum Äther streckt

Und jedes wilden Geiers Schrei

In mir die wilde Muse weckt.


Das Gedicht "Lebt wohl" stammt von   (1797 - 1848).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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