Du scheuchst den frommen Freund von mir,

Weil krank ich sei und sehr bewegt,

Mein hell und blühend Lustrevier

Hast du mit Dornen mir umhegt;

Wohl weiß ich, daß der Wille rein,

Daß eure Sorge immer wach,

Doch, was ihn labt, was hindert, ach,

Ein jeder weiß es nur allein.

Ich denke, wie ich einstens saß

An eines Hügels schroffem Rain,

Und sah ein schönes Kind, das las

Sich Schneckenhäuschen im Gestein;

Dann glitt es aus, ich sprang hinzu,

Es hatte sich am Strauch gedrückt;

Ich griff es an gar ungeschickt,

Und abwärts rollte es im Nu;

Auf hob ich es, das weinend lag,

Und grimmig weinend um sich fuhr,

Und freilich, was es stieß vom Hag,

Mein schlimmes Helfen war es nur. -

Und an der Klippe stand ich auch,

Bei Vogelbrut mit Flaumenhaar,

Und drüber pfiff wie ein Korsar

Ein Weihe hoch im Nebelrauch.

Nun blitzte wie ein Strahl heran

Und immer näher schoß der Weih,

Ich schwang das Tuch, den Mantel dann,

Die jungen Vögel duckten scheu;

Und aufwärts funkelnd, angstgepreßt,

Wie Marder pfiffen sie so klar;

Da ward mir endlich offenbar,

Dies sei des Weihen eignes Nest.

So hab′ ich hundertmal gefühlt,

Und tausendmal hab′ ich gesehn,

Daß nichts so hart am Herzen wühlt

Wo seine tiefsten Adern gehn,

Als - zürne nicht, die Lippen drück′

Ich sühnend auf der Lippen Rand -

Als eine liebe rasche Hand

In guten Willens Ungeschick.


Das Gedicht "Guten Willens Ungeschick" stammt von   (1797 - 1848).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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