An jenes Waldes Enden,

Wo still der Weiher liegt

Und längs den Fichtenwänden

Sich lind Gemurmel wiegt;

 

Wo in der Sonnenhelle,

So matt und kalt sie ist,

Doch immerfort die Welle

Das Ufer flimmernd küßt:

 

Da weiß ich, schön zum Malen,

Noch eine schmale Schlucht,

Wo all die kleinen Strahlen

Sich fangen in der Bucht.

 

Ein trocken, windstill Eckchen

Und so an Grüne reich,

Daß auf dem ganzen Fleckchen

Mich kränkt kein dürrer Zweig.

 

Will ich den Mantel dichte

Nun legen übers Moos,

Mich lehnen an die Fichte

Und dann auf meinen Schoß

 

Gezweig′ und Kräuter breiten,

So gut ich′s finden mag:

Wer will mir′s übel deuten,

Spiel ich den Sommertag?

 

Will nicht die Grille hallen,

So säuselt doch das Ried;

Sind stumm die Nachtigallen,

So sing′ ich selbst ein Lied.

 

Und hat Natur zum Feste

Nur wenig dargebracht:

Die Luft ist stets die beste,

Die man sich selber macht.


Das Gedicht "Ein milder Wintertag" stammt von   (1797 - 1848).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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