Die Psyche ruft aus

Verlangen ihrem Geliebten

 

1

 

Ach, wann kommt die Zeit heran,

Daß ich werde schauen an

Meinen liebsten Jesum Christ,

Der mein Lieb und Leben ist?

 

2

 

Ach, wo bleibst du doch, mein Licht!

Komm doch fort und säum dich nicht,

Komm doch, weil mit großem Schmerz

Auf dich wart mein krankes Herz.

 

3

 

Kommst du nicht jetzt alsobald,

Meines Lebens Aufenthalt,

So vergeht vor Liebsbegier

Mein betrübter Geist in mit.

 

4

 

Allzeit weißt du, daß ich mich

Nicht erhalten kann ohn dich,

Weil du, liebster Jesu Christ,

Meines Lebens Leben bist.

 

5

 

Drum so komm doch bald zu mir

Und erfreue mich mit dir,

Schließ mich in die Arme ein,

Die für mich verwundet sein.

 

6

 

Reich mir deinen süßen Mund,

Tu mir deine Liebe kund,

Drück mich an die zarte Brust,

Die mir ewig schaffet Lust.

 

7

 

Also werd ich dort und hier

Fröhlich singen für und für,

Daß du, liebster Jesu Christ,

Meines Lebens Leben bist.


Das Gedicht "Ach, wann kommt die Zeit heran..." stammt von   (1624 - 1677).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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