Je mehr wir Jahre zählen,
Je mehr uns Tage fehlen,
Je mehr uns Zeit abgeht,
Dies Leben selbst verschwindet,
Weil sich das Alter findet
Und seine Maaß erhöht.

Wie uns die Jahr entfallen,
Weil wir auf Erden wallen,
Wie sich das Ziel abkürzt,
So wird mit ihm verloren,
Was in der Zeit geboren,
Die alles fällt und stürzt.

In dem ein Jahr vergangen,
Hat eines angefangen;
Den Anfang führt das End.
Vor stieg die Sonne nieder;
Itzt kommt ihr Wagen wieder,
Der schon was höher rennt.

So, ob wir hier veralten,
Ob Händ und Herz erkalten,
Gehn wir doch gar nicht ein.
So viel wir abgenommen,
So nahe sind wir kommen
Der Wollust oder Pein.

Ach Menschen, diese Jahre
Die führen nach der Bahre
Und nach der Bahr zur Kron;
Sie führen zu dem Throne,
Dem ewig hohen Lohne;
Wo nicht, zu stetem Hohn.

Unendlich ewig Wesen,
Durch dessen Tod genesen,
Was Zeit und Jahre zählt,
Ach laß unendlich leben,
Für die du dich gegeben
Und zu der Braut erwählt!

Soll sie die Zeit bewähren,
So laß sie nicht beschweren
Mit dem, was zeitlich ist.
Gib ewige Gedanken
Der, die in diesem Schranken
Zur Ewigkeit erkiest,

Daß, wenn sie abgeleget,
Was sie als sterblich träget,
Der rauhen Jahre Last,
Sich zu dir mög erheben,
Der du, ein Mensch im Leben,
Jahr auch gezählet hast.


Das Gedicht "Beschluss des Jahres" stammt von   (1616 - 1664).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Empfehlungen

Weitere gute Gedichte des Autors:



Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





Zur Startseite: Gedichte