XLVII.

 

Ihr Libsten / die ihr mich das Wohn-Hauß grimmer Noth /

Den abgezehrten Leib / und die verdorrten Hände /

Diß sterbende Gesicht / und mein betrübtes Ende /

Mit nassen Augen schaut; traurt nicht umb meinen Tod:

 

Da / als der Welt ade der wehrte Bruder bott /

Nach dem ich jden Tag viel tausend Seuffzer sende /

Mit dem die Schwester schid’ als meiner Libsten Wände

In Flammen gingen ein / und wurden Grauß und Kot /

 

Da fil mein Leben hin. Mein Fleisch der Eltern Gabe /

Ligt nunmehr schon und fault in nicht nur einem Grabe /

Diß was ihr für euch seht / ist ein Gespenst und Dunst.

 

Diß Feber kompt zu spät. Der Tod wird hir nicht finden /

Was acht ich seinen Pfeil / ich muß ohn diß verschwinden /

Itzt nun mein Tag anbricht. Habt danck für eure Gunst.


Das Gedicht "An die umbstehenden Freunde" stammt von   (1616 - 1664).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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