Der schnelle Tag ist hin / die Nacht schwingt ihre Fahn /

Und führt die Sternen auff. Der Menschen müde Scharen

Verlassen Feld und Werck / wo Thir und Vögel waren

Traurt itzt die Einsamkeit. Wie ist die Zeit verthan!

Der Port naht mehr und mehr sich zu der Glider Kahn.

Gleich wie diß Licht verfil / so wird in wenig Jahren

Ich / du / und was man hat / und was man siht / hinfahren.

Diß Leben kommt mir vor als eine Renne-Bahn.

Lass hoechster Gott / mich doch nicht auff dem Lauffplatz gleiten /

Lass mich nicht Acht / nicht Pracht / nicht Lust nicht Angst verleiten!

Dein ewig-heller Glantz sey vor und neben mir /

Lass / wenn der müde Leib entschläfft / die Seele wachen

Und wenn der letzte Tag wird mit mir Abend machen /

So reiß mich aus dem Thal der Finsternüss zu dir.


Das Gedicht "Abend" stammt von   (1616 - 1664).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





Zur Startseite: Gedichte