Du schiedest, sanft verklang des Posthorns Schall,

Lang wiederholt von Fels und Wasserfall;

Mir aber schien’s des alten Berggeists Sang,

Der liebevoll dir nach zur Ferne klang:

 

»So lebe wohl denn, du mein liebster Gast,

Der, was ich bieten kann, du selbst schon hast!

Nicht lieb’ ich sieche Bettler, die nur flehn,

Doch Männer, die als Gleiche vor mir stehn.

Erhaben sind, wie meiner Felsen Firn,

Die Lichtgedanken einer Mannesstirn;

Wie Blumenpracht im Alpenthal mir blüht,

So wogt und glüht Gefühl dir im Gemüth;

Und wie mein Busen birgt manch gülden Erz,

So hegt manch Goldkorn tief und still dein Herz;

Wie sich mein Katarakt durch Felsen schlägt,

Wallt frei dein Manneswort, trifft und bewegt;

Und wie mein Heilquell welke Blumen hebt,

Hat deine Huld manch trauernd Herz belebt. –

Der so gesund an Seel’ und Körper ist,

Nichts kann ich bieten dir; bleib’ wie du bist!

Aufrecht und grad’ wie meiner Tannen Schaft,

Behend wie meiner Gemsen Federkraft!

Das Schneehaupt selbst, wie meiner Gletscher Eis,

Ist dir nicht Last, nein, Schmuck und Ehrenpreis!

Ein ganzer Mann, dem meine Alpenwelt

Den Spiegel eigner Größ’ entgegenhält!«


Das Gedicht "Einem Gesunden" stammt von   (1808 - 1876).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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