Im fernen, fernen Meere

Da segelt’ ein Schiff bei Nacht,

Der Schiffsherr in der Kajüte

Entschlief auf der Matte sacht.

 

Der Kiel schnitt still und ruhig

Den weiten stillen Raum;

Jedoch so still und ruhig

War nicht des Schiffsherrn Traum:

 

Ihm träumt’, ein Blitzstrahl habe

Den stolzen Mast zerspellt,

Es sei an einem Felsen

Im Sturm das Schiff zerschellt,

 

Und über Bord geschleudert

Schwimm’ er im tosenden Meer,

Und Wogenkolosse und Blitze

Die sausen um ihn her.

 

Er rudert mit brechenden Armen,

Schon sieht er die Küste nahn,

Doch brausend an ihre Felsen

Schlägt hoch die Brandung hinan.

 

Auf einem der grauen Felsen

Sieht er eine Jungfrau stehn;

Sie winkt und läßt hernieder

Zu ihm eine Rose wehn.

 

Doch dort schwimmt nun ein Balken

Zur Rettung ihm heran;

Soll er zuerst die Rose,

Zuerst den Balken umfahn?

 

Schon brechen die Arme, schon sinkt er

Ins fluthende Grab hinein;

Da faßt ihn die Brandung und schleudert

Ihn an das Felsgestein.

 

Der Schiffsherr erwacht und stürzet

Rasch aufs Verdeck hinan;

Doch ruhig und sicher gleitet

Das Schiff durch die stille Bahn.

 

Die flüsternden Wellen baden

Das Haupt im Morgenlicht; –

Wohl sah er keine Trümmer,

Doch auch die Rose nicht.


Das Gedicht "Ein Traum" stammt von   (1808 - 1876).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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