»Mein Nam’ ist Colibri, Mann von Hofe,

An Liebreiz ein klein Ungeheuer,

Der Königin Rose und ihrer Zofe,

Dem schönen Haideröslein, gleich theuer.

 

Ich summe Sonette zu ihrem Preise,

Umschwebe sie artig und dienstbeflissen;

Wer sich bewegt in so feinem Kreise,

Darf Anstand und fein Gewand nicht missen.

 

Ich trag’ ein Barett demantenflimmernd

Staatsweste, Höslein goldbrokaten,

Den Frack von grüner Seide schimmernd

Und ausgenäht mit bunten Nahten.

 

Mein Schnäblein ist mein Galadegen,

Mein Zünglein beweglich ist die Klinge;

Was ich mit jenem nicht darf erlegen,

Mit dieser ich’s sicherlich bezwinge.

 

Man sagt, ich sei treulos und flüchtig

Und meine Huldigung wetterwendig;

Untreu der einzlen Blume, die nichtig,

Bin treu ich der Lenzmacht, die beständig!

 

Ob sich die Meuter auch all’ verschworen,

Den milden Zepter der Rose werden,

Ich weiß es, nimmer zerbrechen die Thoren,

Das Reich des Lenzes nimmer gefährden.

 

Da schießt der Hagel mit silbernen Pfeilen,

Da stürmt mit kristall’nen Lanzen der Regen,

Da seht ihr den grimmen Winter eilen,

Des Reiches Farben hinwegzufegen.

 

Da reißt der Sturm, ein gemeiner Scherge,

Der Rose den Purpurmantel vom Leibe;

Sie weiß, daß, ob sie im Tod sich berge,

Ihr Stamm doch frischere Sprossen treibe.

 

Besudelt mir nicht des Hofkleids Stoffe

Im Trümmerfall, im Kampfgetose!

Der Ausgang aber wird gut, ich hoffe,

Die Rose ist todt, es lebe die Rose!«


Das Gedicht "Colibri" stammt von   (1808 - 1876).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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