Verschlossen willst du′s tragen,

Du willst es nie ihr sagen,

Wovon dein Herz so wund;

Sie wird ja nie dein eigen,

Drum hüte männlich Schweigen

Den Hort im Seelengrund.

 

Doch da vernimmt dein Lauschen

Leis ihres Kleides Rauschen,

Den Schritt, dir wohlbekannt,

Dieß leichtbeschwingte Schreiten,

Wie Fee′n im Mondlicht gleiten,

Bis selbst sie vor dir stand.

 

Die Brust wird dir so enge,

Der Athem stockt, es dränge

Heraus kein Wörtchen klein;

Mit Schauern, die beglücken,

Mit Gluthen, die erquicken,

Durchfiebert′s dein Gebein.

 

Es will das Knie sich beugen,

Von ihrem Werth zu zeugen,

Zu huld′gen ihrer Macht;

Die Arme möchten fliegen,

Den Liebreiz zu umschmiegen,

Doch hältst du strenge Wacht.

 

Wie deine Augen leuchten,

Dann wieder mild sich feuchten,

Wie dir die Wange glüht!

Das Herz muß hörbar schlagen;

Wie sich die Pulse jagen,

Wie′s durch die Adern sprüht!

 

Ein Aufschrei aller Sinne

Verräth die stille Minne,

Gibt dein Geheimniß kund;

Und reden solche Zeugen,

Dann spricht mit seinem Schweigen

Viel lauter noch dein Mund.


Das Gedicht "Begegnung" stammt von   (1808 - 1876).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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