»Dichter, bleib’ bei deinen Blumen! Nicht an Thronen frech gemeistert! –

Wenn dich mehr als Blumenkronen eines Fürsten Kron’ begeistert,

Feire, wie’s so manch’ bescheidner, vaterländ’scher Sänger thut,

Hohe Fest- und Namenstage, huldigend mit Sangesgluth!«

 

Hohn bedünkt es mich, den Fürsten sonst zum Ruhme nichts zu singen,

Als daß sie geboren wurden, und auch Namen gar empfingen!

Buben mögen solches rühmen! Aber schweigen laßt mein Lied,

Bis es große Thaten ragen, Licht und Freiheit strahlen sieht!

 

»Wie du doch so unerträglich! Freiheit stets, und Freiheit wieder!

Stets dasselbe Liedlein leiernd! Kennst du sonst denn keine Lieder?

Willst du winseln nur und klagen, nimm dir doch ein andres Ziel!

Suche andre Stoff’ und Weisen, in der Welt ist Jammers viel!«

 

Soll ich unser Land wohl schmähen? O kein schön’res find’ ich wieder!

Soll ich unser Volk verlästern? Das ist treu und gut und bieder!

Einen Fehl nur haben beide: daß die Freiheit ihnen fehlt,

Drob das Herz nur eine Klage, nur ein Lied den Mund beseelt!

 

»Ei, dein Schmerz sei dir gelassen! Doch was störest du die Andern,

Die zu euren schönen Bergen, duft’gen Wäldern fröhlich wandern,

An der reifen Saat sich freuend, labend sich am goldnen Wein?

Was in ihren Jubel rasselst du mit unsern Ketten drein?«

 

Eben weil in solchem Jubel, zwischen solchem Blüthenleben,

Zwischen goldner Saaten Säuseln, zwischen Kränzen duft’ger Reben,

Unter Bäumen grün und laubig, unter Lerchen leichtbeschwingt,

Das Gerassel arger Ketten gar so wunderschaurig klingt!


Das Gedicht "Antworten" stammt von   (1808 - 1876).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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