Holunderduft liegt auf der Dorfesgasse -

die Hüttenfenster gleißen sonnenbunt.

Die Büsche schatten breit - es fliegen blasse

und volle Blüten schwebend hin im Rund.

 

Die Kirche ragt im goldengrünen Dämmern

der Linden, die sie überdrängen breit.

Nur aus verlorner Ferne dringt ein Hämmern,

als sei’s der Herzschlag dieser Einsamkeit...

 

Sonst alles klangtot! und die Mittagstille

liegt wie mit erz’nen Flügeln überm Land -

ich glaube fast, man hört es, wenn die Hülle

der Blätterknospen sprengt ihr bräunlich Band...

 

Ich glaube fast, man hört es, wenn im Neste

die Schwalbe sich im Mittagsschlafe regt,

und wenn ein Bienlein durch die Lindenäste

die Würze tropfend aus den Blüten trägt...


Das Gedicht "Dorfstille" stammt von   (1849 - 1923).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.



Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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