Michel, warum weinest du,

Weinest du so sehr?

»Weil ich stets soll kindisch bleiben,

Und mein Wohl nicht selbst betreiben,

Darum, darum weine ich,

Weine ich so sehr!«

 

Michel, warum weinest du,

Weinest du so sehr?

»Weil es mir nicht macht Behagen,

Daß ich soll den Maulkorb tragen,

Darum, darum weine ich,

Weine ich so sehr!«

 

Michel, warum weinest du,

Weinest du so sehr?

»Weil sie mir mein Geld verprassen,

Ohne Nachricht, wo sie′s lassen,

Darum, darum weine ich,

Weine ich so sehr!«

 

Michel, warum weinest du,

Weinest du so sehr?

»Weil ich bin in tausend Banden,

Und in Neununddreißig Landen,

Darum, darum weine ich,

Weine ich so sehr!«

 

Michel, warum weinest du,

Weinest du so sehr?

»Weil ich hab′ mein Blut verspritzet,

Ohne, daß es mir genützet,

Darum, darum weine ich,

Weine ich so sehr!«

 

Michel, darum weine nicht,

Weine nun nicht mehr!

Wenn du einsiehst deine Schwächen,

Will ich dir mal ′was versprechen!

Darum, darum weine nun,

Weine nun nicht mehr!


Das Gedicht "Weine nicht!" stammt von   (1810 - 1876).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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