Du wirst im Ehestand viel erfahren,

Was die ein halbes Rätsel war,

Bald wirst du aus Erfahrung wissen,

Wie Eva einst hat handeln müssen,

daß sie hernach den Kain gebahr.

Doch Schwester, diese Ehstandsplichten

Wirst du von Herzen gern verrichten,

denn glaube mir, sie sind nicht schwer;

doch jede Sache hat zwo Seiten;

der Ehestand bringt zwar viele Freuden,

allein auch kummer bringet er.

Drum wenn dein Mann dir finstre Mienen,

die du nicht glaubest zu verdienen,

in seiner üblen Laune macht:

So denke, das ist Männergrille,

und sag: Herr, es gescheh dein Wille

bei Tag- und meiner bei der Nacht.


Das Gedicht "An seine Schwester" stammt von (* 1756-01-27, † 1791-12-05).





Ein Gedicht ist eine besondere sprachliche Ausdrucksform, das aus Versen (und Strophen) besteht, die sich i.d.R. reimen.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern verdichten Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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