Wenn meine Liebe schwört, sie sei mir treu,
So glaub′ ich ihr, obgleich ich weiß, sie lügt,
Damit sie meint, ich wäre blöd und scheu,
Ein Knabe noch, den leicht die Welt betrügt.
In Hoffnung so, daß sie für jung mich hält,
Obgleich sie weiß, mein Lenz ist abgepflückt,
Hab′ ich mich gläubig ihrem Wort gestellt,
Und beiderseits wird Wahrheit unterdrückt.
Doch warum schweig′ ich, daß ich alt und grau,
Warum sie ihre Falschheit mir verhehlt?
Oh, Liebe trägt die Treue gern zur Schau
Und liebt nicht, daß man ihre Jahre zählt.
Drum hört sie meines, ich ihr falsches Wort,
Und Lügen schmeicheln unsre Fehler fort.
Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.
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