Was unsern Sinn gefangen hält,

Das spiegelt uns zurück die Welt.

Wir schauen unsre Lust und Pein

In′s Antliz der Natur hinein,

Als wechsle Sonnenschein und Regen

Am Himmel einzig unsertwegen,

Als würd′ er blauer oder grauer

Um unsre Lust, um unsre Trauer.

Er schmeichelt uns, der stolze Wahn,

Daß auf der ewig festen Bahn

Nach uns, den kleinen Erdenwichten,

Die Schritte der Natur sich richten.

Sie schreitet weiter, kalt und groß,

Wie taub und blind für unser Loos;

Sie treibt vollkommen unbekümmert

Was unser Glück erhöht, zertrümmert;

Ihr Mitgefühl ist unsre Lüge,

Ihr Antliz trägt Medusenzüge

Die, seelenlos so schön sie scheinen,

Nie weder lächeln weder weinen.


Das Gedicht "Das Gesicht der Natur" stammt von   (1819 - 1904).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.



Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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