Einst hieß man mich die schönste aller Frauen,

Selbst Könige entzweite meine Macht,

Zehntausend Krieger aus Europas Gauen,

Von Asiens Landen, schlugen manche Schlacht,

Und eher nicht war ihres Kampfes Ziel,

Als bis erschlagen alle Heldensöhne

Und bis ein stolzes Königshaus zerfiel;

Und dennoch pries man die unsel′ge Schöne.

 

Und wieder tönte jüngst mein alter Namen

Doch bin ich häßlich und verlassen nun,

Von allen die des Weges zu mir kamen,

Will keiner lang an meiner Seite ruhn;

Nur einer kam, der erste dem nicht grau

An meinem Herd für immer still zu liegen

Der lange mir ins blasse Antlitz schaut

Und bitter lacht, ob meinen düstern Zügen.

 

»Ach, darum also«, sprach er, »läßt du feiern

Dein unheilvoll Gedächtnis bis auf heut,

Damit du reihtest zu den alten Freiern

Auch einen Heros aus der neuen Zeit?

Doch lockst du mich mit keinem Erdentand,

Denn Zeus zerschlug dein Ilium in Scherben!

Wohlan! auch meine Trojer deckt der Sand,

So laß mich denn in deinen Armen sterben.«

 

Auflösung:[Helena]


Das Gedicht "Rätsel 3" stammt von   (1802 - 1827).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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