Vor des Friedhofs dunkler Pforte

Bleiben Leid und Schmerzen stehn,

Dringen nicht zum heil′gen Orte,

Wo die sel′gen Geister gehn,

Wo nach heißer Tage Glut

Unser Freund im Frieden ruht.

 

Zu des Himmels Wolkentoren

Schwang die Seele sich hinan,

Fern von Schmerzen, neugeboren,

Geht sie auf - die Sternenbahn;

Auch vor jenen heil′gen Höhn

Bleiben Leid und Schmerzen stehn.

 

Sehnsucht gießet ihre Zähren

Auf den Hügel, wo er ruht:

Doch ein Hauch aus jenen Sphären

Füllt das Herz mit neuem Mut;

Nicht zur Gruft hinab - hinan,

Aufwärts ging des Freundes Bahn.

 

Drum auf des Gesanges Schwingen

Steigen wir zu ihm empor,

Unsre Trauertöne dringen

Aufwärts zu der Sel′gen Chor,

Tragen ihm in stille Ruh

Unsre letzten Grüße zu.


Das Gedicht "Grabgesang" stammt von   (1802 - 1827).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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