Die Lieb′ ist wie die Sonne,

Verwegner Uebermuth,

Der schaudernd in der Wonne

Der heißen Lebensgluth,

Den Lichtquell zu ergründen,

In seine Tiefe blickt,

Muß da zuletzt erblinden

Wo sich sein Herz entzückt.

 

Doch wer nur still bescheiden

Das sanfte Licht genießt,

Woraus ein Meer von Freuden

Für alle Wesen fließt,

Wer nie die letzte Quelle,

Nur ihre Wirkung sucht,

Den labt die Sonnenhelle,

Der keine Thräne flucht.

 

So denk′ ich oft und meine,

Daß ich wohl gut gedacht.

Doch wenn ich trostlos weine

Hinaus in all′ die Nacht,

Wenn sich mein Auge wendet

Zu Morgensternes Glanz,

Da fühl′ ich′s nicht geblendet,

Wohl aber blind es ganz.


Das Gedicht "Späte Einsicht" stammt von   (1804 - 1830).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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