Nenn′ ich euch wohl den Tempel der Kunst? So erscheint die Geschichte:

Meinen Tempel hab′ ich, spricht sie, hierin mir erbaut.

Aber die Philosophie eröffnet die Schule der Weisheit,

Zeigt mit erhabenem Stolz ihre Gewaltigen vor.

Zeig′ ich Apoll′ euch nicht und die Musen im Chore der Dichter,

Spricht die Dichtkunst, ist nicht mein hier der größte Triumph?

Nein, antwortet die Religion, mein tiefstes Geheimniß

Und mein Heiligthum ist hier euch vors Auge gestellt.

Oeffn′ ich den Himmel euch nicht, und zeig′ euch den Vater im Glanze

Seines Thrones, den Sohn nicht und den heiligen Geist?

Unser ist dieser Raum, will die Kirche, was hier wir und drüben

Lösen und binden, du siehst′s, hier ist mein mächtigstes Reich.

Da ertönt′s von Stimmen, es naht die Menschheit, ich habe

Mein lebendigstes euch, meinen Charakter, enthüllt.

Nehmt denn alle Besitz, für all′ ist Platz in dem Tempel;

Mir gehört nur der Schmerz seiner Vergänglichkeit an.


Das Gedicht "Raffael (5)" stammt von   (1804 - 1830).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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