Heil′ge Dämm′rung waltet durch der Rotunda

Tausendjähr′ge Wölbung, der Geist des Abends

Mahnt zum Beten, mahnet zur letzten Andacht,

Ora pro nobis.

 

Auf den Knieen umher in des Tempels hoher

Rundung liegt das gläubige Volk, und Alles

Tönt einstimmig, Jungfrau, dein Lob und flehet:

Ora pro nobis.

 

Und die Schatten decken auch mich; der Vielen

Sieht mich keiner, wunderbar drängt′s von Innen,

Widerständ′ ich? - Zaubrische Macht, ich kniee,

Ora pro nobis.

 

Immer wiederkehrt der Gesang, der Vorwelt

Schauer kehren wieder mit ihm - o Menschheit,

Sieh′ mich nicht, ich bin - ich bin dein und flehe:

Ora pro nobis.

 

Doch was fühl′ ich! Holde Erinn′rung, bist du′s,

Die mich tief anwandelt, o bitter bist du,

Bitter - denn sie kniete mir einst zur Seite -

Ora pro nobis.


Das Gedicht "Ora pro nobis" stammt von   (1804 - 1830).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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