Ich habe dich geliebt,

Und Treue bis zum Grabe dir geschworen,

Und doch hab′ ich dein Herz so schwer betrübt.

 

So oft vergaß ich dein,

Denn andre Länder bringen andre Freuden,

Doch immer bliebst du in der Ferne mein.

 

Dein hab′ ich mich genannt,

Mich dir geweiht zu ewigen Gefühlen,

Und dennoch hast du mich so tief verkannt.

 

Du kennst mein falsches Herz,

Und doch hab′ ich dich nie, o süße Seele,

So wahr geliebt, als in der Trennung Schmerz.

 

Zu leben ohne dich,

Ich schwur und glaubte, daß ich′s nicht vermöchte,

Und dennoch leb′ ich, lebst du ohne mich.

 

Blüht mir auch andres Glück,

Hab′ ich auch längst mein schwankend Herz vergeben,

So weint es doch, kehrt ihm dein Bild zurück.

 

Auf heitres Wiedersehn

War unser schluchzend Wort beim letzten Kusse,

Und dennoch wird und mag es nie geschehn.

 

Du littest lang und schwer,

Doch daß die Zeit mein schmerzlich Angedenken

Nicht längst vertilgt, wer gäbe mir Gewähr?

 

Drum däuchte mir denn fast,

Solch′ eine Lieb, solch′ ein Wechselglühen

War uns im Frühling eine Blumenlast.

 

Nun da sie abgeblüht,

So kränzen wir das Haupt mit frischen Rosen,

Und bleiben glücklich, auch wann sie verglüht.


Das Gedicht "Lieder aus Capri (4)" stammt von   (1804 - 1830).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.



Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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