Besteig′ ich nach des Sommertages Schwühle

Mein südlich Dach, auf traulichem Gesteine

Mich dein zu freuen, holde Abendkühle,

 

Betracht′ ich so in wohlgefäll′gen Träumen

Die Stadt, am grauen Felsen des Solaro,

Umblüht von Gärten und zerstreuten Bäumen,

 

Erhebt sich an begrünter Rebenmauer

Des Ostens halbverwaistes Kind, die Palme,

So einsam, und so stolz in ihrer Trauer,

 

Und seh′ ich bis in ungemessne Weiten

Voll Sonnenglanz, sich zwischen rauhen Felsen,

Mit manchem fernen Schiff das Meer verbreiten,

 

Dann glaub′ ich, daß Minervens Kap entnommen,

Vielleicht durch Zaubermacht bewegt, die Insel

Längst in ein morgenländisch Meer geschwommen.


Das Gedicht "Lieder aus Capri (3)" stammt von   (1804 - 1830).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.



Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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