Untersank, o Roma, die Sonne deinen

Siebenhügeln. Langsam erscheint die Nacht schon,

Und ein Tag verschwindet von deinem Leben,

Ave Maria!

 

Deinem Leben! welch′ ein Gedank′, o Roma,

Aufbewahrt im Buche der Ewigkeit ruht

Jeder deiner Tag′, und die Weltgeschichte

Deine nur ist sie!

 

Also, Allumarmende, streckt der Vater

Seine Arm′, Okeanos um die Erde,

Ihnen sinkt die scheidende Sonn′ entgegen,

Ave Maria.

 

Welch ein Ernst! wie wandelt die Nacht, die alte,

Deines Schicksals Geist zu vergleichen, aus des

Colosseums schreckhaft geborstnem Sarge

Dämmernd hervor schon!

 

Hell entstrahlt, gebadet im frischen Nachtblau

Jovis Stern dem Himmel, mit Wehmuth blickt er

Seine Tempeltrümmer am Capitol an,

Ave Maria.

 

Halb im Mondschein, halb in der Dämmerung schon

Graut der Stiere säulenbedecktes Schuttfeld,

Und im Zwielicht wandelt noch eines Mönches

Einsamer Schatten.

 

Und von hundert Kirchen zumal ertönet

Fern und nahes Glockengeläut dem Tage

Schwermuthsvoll und feierlich noch sein Grablied,

Ave Maria.

 

Dumpf antwortend folgt ein gewalt′ger Nachhall

In der Seel′, ein betend Gefühl, als klängen

Eben drei Jahrtausenden dieser Roma

Glocken zu Grabe.

 

Und man denkt der Stunde, da vors Gericht sie

Treten, wenn der ewigen Stadt und mit ihr

Auch der Welt zum letztenmal schaurig tönet:

Ave Maria.


Das Gedicht "Ave Maria" stammt von   (1804 - 1830).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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