Wie aus heiterstem Grün, o erhabenste Tempel Girgentis,

Wie vom Himmel umglänzt steigt ihr der Nachwelt empor!

Zwar in Trümmer schlug euch die Zeit; wohin ich mich wende,

Zu des olympischen Zeus altem, titanischen Haus,

Sei′s zum furchtbaren Schutt des Herakles, sei′s zu dem Hügel,

Wo vom Frühling umblüht, Juno Lucina, du einst,

Oder die Eintracht dort in dorischer Schöne gewohnet,

Sei′s wo der Tempel Vulkans über der blumigen Kluft

Von Limonen umduftet, umlacht von Indiens Feigen,

Kaum den Blick mir zum Strand, kaum bis zum Meere gewährt.

Euch umglühet Natur, und selbst aus dem Grab in der Mauer

Strebt der blühende Baum mächtiger Aloe noch.

Jüngst so irrt′ ich im Grün, mir lachten goldene Früchte,

Hier entsprang der Granat, dort die Orange dem Laub.

Eine Nachtigall schlug und die Tempel entragten den Hainen,

Da erfüllete mir Wehmuth das einsame Herz,

Unaussprechliche fast. So oft ins zerfallene Leben,

Oft in die Trümmer des Glücks, oft in der Liebe Verlust

Klagt ein süßer, ein seliger Laut mit der Nachtigall Stimme,

Und das Schöne vielleicht wohnet am liebsten im Schmerz.


Das Gedicht "Agrigent" stammt von   (1804 - 1830).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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