O Weihestunde!

O köstliche Stunde!

Sanft küßt die Nacht,

Die vielholde Trösterin,

Die tagmüde Erde.

Und mählich verhallen

Im ewigen Schweigen

Die Stimmen des Lebens ...

Immer lichter umwebt

Die erstorbenen Auen,

Des Mondes fluthender

Silberschleier.

Mild grüßen hernieder

Die ewigen Sterne –

Lautlos wogt

Der wortlose Zauber

Unendlicher Ruhe.

Nur manchmal

Flüstert's und raunt's

Im üppigen Laube;

Wie in Geisterumarmung

Erschauern jählings

Die Bäume und Sträucher,

Als wollten sie künden

Die ewigen Räthsel,

Die da walten von Urbeginn

In Höhen und Tiefen ...

Wie Erlösung umspinnt

Die qualdüst'ren Sinne

Süßes Märchenvergessen.

Eingewiegt von der Sphären

Leisrauschenden Hymnen,

Umspielt vom Traumodem

Der wonnesam schlummernden

Allmutter Natur

Trink' auch ich

Unaussprechlicher Inbrunst voll

Gottseligen Frieden,

Glück ohne Ende ...

In der Mainacht Duftthau.

Im ewigen Hauche

Ersterben des Leibes

Fiebernde Pulse.

Mit Sternen und Welten

Wall' ich entgegen

Dem dämmernden Morgen.


Das Gedicht "Weihestunde" stammt von   (1864 - 1913).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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