Ich lehne träumend am Brückenrand,

Das Aug´ zu des Stromes Tiefen gewandt.

Wie Schatten huscht es an mir vorbei,

Nur halb noch hör´ ich verworrnes Geschrei.

Der Abend dämmert mählich herein ...

Plötzlich ergießt sich trübfahler Schein:

Jäh trifft mein Blick die Menschen all,

Die vorüber fluten in wirrem Schwall.

Ich sehe Karossen stolz und reich,

Daneben die Armut kummerbleich.

Zumeist grub tiefe Linien die Not,

Das Laster, die Sorge um Leben und Brot.

Verrohung spiegelt gar mancher Zug,

Unselige Selbstsucht, Lug und Trug.

Keinem Auge entsprüht des Daseins Lust -

Weltscheue Schwermut füllt meine Brust.

Unendliches Weh und unendlicher Groll:

Was all das tolle Treiben soll!

Die meisten kommen zur Erde und gehen

Und haben nie sich selber gesehn.

Sie lebten dumpf in tierischem Triebe,

Sie fühlten nie das Glück der Liebe.

Sie sahen nie der Gottheit Spur,

Sie kannten dich nicht, Allmutter Natur.


Das Gedicht "Fragment" stammt von   (1864 - 1913).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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