Wie milde und süß

Des Abends Kühle

Und thaufrische Labung

Herniedersinkt

Auf die heiße dürstende

Glutschwangre Erde!

Matter glänzen die Tiefen

Des Himmesgewölbes

In duftweißem Schimmer;

Nur in der Ferne

Wie stolzen Gebirges

Vielhäuptiges Steinmeer

Ragt auf der Wolken

Stummdräuende Nebelwand.

Immer dichter breitet

Um die dämmernden Sinne

Mit Muttersorgfalt

Ihren Traumesschleier

Die Trösterin Nacht.

Wie Geisterrauschen

Zieht's durch die Lüfte,

Sanft küßt es die Köpfchen

Zarthalmiger Gräser,

Die stolzen Kronen

Hochwipfliger Bäume,

Daß sie leise erzittern

In wonnigem Beben

Und flüsternd sich neigen.

Jeder Schmerz, jede Sehnsucht

Der Seele verhaucht,

Mit dem Friedenslispeln

Der Lüfte und Sterne.

Himmel und Erde

Umarmt sich alleins

In dem Segenszauber

Der müden Natur ...

Immer deutlicher grüßt

Aus wachsenden Schatten

Die heilige Schwelle

Der Heimath.

Jetzt lächle ich selig,

Ein seliges Kind, ach,

Im Schooße der Mutter.


Das Gedicht "Fata morgana" stammt von   (1864 - 1913).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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