Einen weißen Federflaum

Fand am Fenster ich den Morgen,

Als der Tag aus wirrem Traum

Mich erweckt zu süßen Sorgen.

 

Und ich blick′ erstaunt hinauf

An den frischen Morgenhimmel,

Sehe dort in leisem Lauf

Ziehn der Wolken leicht Gewimmel.

 

Ja, sie ziehn in breitem Zug

Zwischen mir und jener Gegend. -

Ist es Wahrheit? Ist es Trug?

Sind′s nicht Schwäne flügelregend?

 

Ist mein Liebchen gar vielleicht

Solch ein heimlich Zauberwesen,

Das als Schwan die Luft durchstreicht,

Wie in Märchen ich gelesen?

 

Schön in menschlicher Gestalt,

Hat sie traut besucht mich gestern,

Nachts in Zauberbanns Gewalt

Schwärmt sie mit den Schwanenschwestern.

 

Fliegt bis an mein Fensterbrett,

Putzt das weiße Schwangefieder,

Während einsam ich im Bett,

Wälze sondern Ruh die Glieder.


Das Gedicht "Erwachen" stammt von   (1864 - 1913).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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