Berg der Kammern. Woher wuchsest du Maden-Leib?

Aus Nacht gekittet, in den Tag gemauert,

der, dich umjohlt, Höhlung wunderlichen Getiers:

Fuchsbau, Schlangennest, Maulwurfhügel, Raubtierkäfig!

 

Was geschiehet in deinem Geripp, da der Treppen Brand

aufflackert gegen das lastende Dach, das die Himmel verbaut?

Was hinter den Fenstern, da in den kalten Ecken

Sonnenlicht, trüber Schein, sich verkriecht und stirbt?

 

Welche Wesen bevölkern dich? Welche Motten umschwirren

die giftigen Lampen? Welche Schreie tönen? Welche Tat

wird getan? Wer stirbt? Wer wird geboren? Wer flucht?

Wer stöhnt? Wer jammert? Wer lacht? Wer träumt?

 

- Ungeheuer! Kreißender Fels. Modernd Skelett. Arme

gereckt in der Nacht. Verschlungne Körper im Schlaf.

Prügel. Kuß. Hunger. Krank. Gesang und Gold.

Mord und Raub. Menschen. Der Gott geht um!

 

Gespenster. Mutter und Vater. Trauernder Sohn.

Wirre Tochter. - Kinder in Tapeten vergehend.

Stinkend Gedärm: Aborte. Schmieriges Bett.

Gäste. Lärm. Tabakqualm, ölige Speisen.

 

Vater-Unser. Gebet. Schleichen in der Nacht.

Räudiger Hund an der Tür. Klingel. Schlurfen.

Begrüßung. Geschäfte. Auf und ab -: zuckendes Hirn!

Hundert, die gehn und kommen. Der Arzt. Der Tod.

 

Haus: röchelnder Lindwurm. Gefängnis. Wald

aus mürben Brettern. Knarrendes Knochen-Tier.

Gähnender Rachen. Schnappendes Maul. Zottige Tatzen.

Haus: Klumpen Mensch. Turm böser Winde. Hölle.


Das Gedicht "Das Haus" stammt von   (1895 - 1925).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





Zur Startseite: Gedichte