In einem Russendorfe zog
ich nachts die Reiterstiefel aus
und fiel in einen Traum und flog
auf Kinderschuhn ins Elternhaus.
Die Türen gingen auf und zu,
von Kinderhänden leicht bewegt,
als atmete in süßer Ruh
das Haus, vom Leben frisch durchregt.
Ich war in meines Vaters Haus
von Dämmerung zu Dämmerung
und lief im Spiel türein - türaus,
an Blut und Gliedern knabenjung.
Ich war daheim und ein war Kind,
doch als das Feld sich kaum bereift,
hat mir der kühle Morgenwind
die Kinderschuhe abgestreift.
Ich lag im Stroh , des Königs Mann,
fremd, tot und öde war das Haus.
Ich zog die Reiterstiefel an
und ritt ins Morgenrot hinaus.
Das Gedicht "Soldatentraum" stammt von Walter Flex (1887 - 1917).
Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.
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