I

Eiris sazun idisi, sazun hera duoder.

suma hapt heptidun, suma heri lezidun,

suma clubodun umbi cuoniowidi:

insprinc haptbandun, invar vigandun.

 

II

Phol ende Wuodan vuorun zi holza.

du wart demo Balderes volon sin vuoz birenkit.

thu biguol en Sinthgunt, Sunna era swister;

thu biguol en Friia, Volla era swister;

thu biguol en Wuodan, so he wola conda:

sose benrenki, sose bluotrenki, sose lidirenki:

ben zi bena, bluot zi bluoda,

lid zi geliden, sose gelimida sin.

 

I

Einmal setzten sich Frauen, saßen hier, saßen dort.

Einige hefteten Fesseln fest, einige hielten das Heer auf,

einige griffen an die starken Stricke:

"Entspring den Fesseln, entkomm den Feinden!"

 

II

Vol und Wodan ritten in den Wald.

Da wurde dem Fohlen von Balder der Lauf verrenkt.

Da besprach ihn Sinthgunt, [und] Sonne, ihre Schwester;

da besprach ihn Freia, [und] Volla, ihre Schwester;

da besprach ihn Wodan, wie er es vollendet konnte:

"Wie die Knochenheilung, so die Blutheilung, so die Gliederheilung:

Knochen zu Knochen, Blut zu Blut,

Glied zu Gliedern, als ob sie aneinander geleimt seien!"


Das Gedicht "Merseburger Zaubersprüche" stammt von (* 0000-00-00, † 0000-00-00).





Ein Gedicht ist eine besondere sprachliche Ausdrucksform, das aus Versen (und Strophen) besteht, die sich i.d.R. reimen.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern verdichten Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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