Eine stille große Güte
Wacht nun zärtlich um mein Leben.
Zweier Hände weiße Blüte
Fühl ich durch mein Dunkel schweben.
Meine Seele klingt von Lachen,
Doch sie wagt sich kaum zu rühren,
Denn sie fürchtet, ein Erwachen
Könnte ihren Traum entführen.
Und sie läßt die schlanken Hände
Wortlos zu sich niederneigen,
Aber wundersame Spende
Wacht und wartet in dem Schweigen.
Denn im Schweigen dämmern Reime,
Die sich sacht zu Versen bauen,
Und aus halberschloßnem Keime
Hebt sich leuchtend das Vertrauen,
Dieses selige Erleben
Als ein Lied den schmalen, weichen
Händen, die es mir gegeben,
Tiefbeseligt darzureichen.
Das Gedicht "Die Hände" stammt von Stefan Zweig (1881 - 1942).
Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.
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