Mich hält ein leises Lächeln gebannt.
 Es hing
 Ganz licht und lose am Lippenrand
 Einer schönen Frau, die vorüberging.


Die fremde Frau war schön und schlank,
 Und fühlte ich gleich, es zielte ihr Gang
 In mein Leben.
 Und dies Lächeln, das ich in Glut und Scham
 Von ihren zartblassen Lippen nahm,
 Hat mir ein Schicksal gegeben.


Wie ist dies alles so wundersam,
 Das Lächeln, die Frau und mein sehnender Traum
 Versponnen zu törichten Tagen.
 Mein Herz verirrt sich in Frage und Gram,
 Woher dieses seltsame Lächeln kam,
 Und weiß ich doch kaum,
 Wieso mir das heimliche Wunder geschehn,
 Daß ich, erglutend in Glück und Scham,
 Ein Lächeln aus fremdem Leben nahm
 Und in das meine getragen.


Ich fühle nur: seit 
 Ich das Lächeln der leisen Lippen getrunken,
 Ist die Ahnung einer Unendlichkeit
 In mein Leben gesunken.
 Meine Nächte leuchten nun still und lau
 Wie ein Sternengezelt
 In beruhigtem Blau.
 Und der zarte Traumglanz, der sie erhellt,
 Ist das Lächeln der Frau,
 Der viellieben Frau,
 Der schönen, an der ich vorüberging,
 Der fremden, von der ich ein Schicksal empfing.


Das Gedicht "Das fremde Lächeln" stammt von   (1881 - 1942).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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