Abenddämmrung liegt auf meinem Garten –

Und ich blicke mit bewölktem Sinn,

Meinen müden Kopf gelehnt am harten

Fensterrahmen, wie auf Gräber hin.

 

Und die Geister meiner schönen Stunden

Gehen vorüber, mit gesenktem Blick.

Ach! Schon sind sie fern dahingeschwunden –

Ich allein blieb sehnsuchtsvoll zurück.

 

Mondenschimmer, deine Strahlen kränzen

Meine Stirn nicht mit Beruhigung! –

Alle meine Freuden, alle, glänzen

Nur im Schimmer der Erinnerung.

 

Glück des Lebens! – wer dich fand, der lerne

Dich entbehren: denn so schnell entweicht

Nicht im Sturm die Wolke, die jetzt ferne

Scheint, jetzt da ist, jetzt dem Aug entfleucht!

 

Wo, wo ist Genuß? – in Phantasien

Künft’ger Freuden? – Kalte Wirklichkeit

Zwingt des Herzens holden Wahn zu fliehen,

und verhüllt die ferne Seligkeit.

 

Gegenart! – ach, meine Blicke finden

Keine Blüten! – Nimm die Huldigung,

Du – ich will mir welke Kränze winden –

Himmelstochter, o Erinnerung!


Das Gedicht "Schwermut" stammt von   (1770 - 1806).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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