Wirst du mir stets den Seraphsfittig leihen,
du nektartrunkne, süße Schwärmerei?
Du wirst es nicht. - Verglimmen und zerrinnen
wird deine Glut vor den getrübten Sinnen;
dein Wahnsinn bleibt dem kühlern Blut nicht treu.
Dies Saitenspiel, das rings mit Harmonien
die ganze Erde magisch übergoss,
verrauscht und schweigt; die Phantasie verblühet,
der Lenz erbleicht, der Freude Glut versprühet,
- ein Einz′ges nur bleibt ewig wechsellos!
Was nur allein des Zufalls Laune trotzet,
die schöne Blüte reiner Menschlichkeit,
das uns allein zu freien Wesen gründet,
woran allein sich unsre Würde bindet,
dies höchste Gut, es heißt - Selbstständigkeit.
Das Gedicht "Schwärmerei" stammt von Sophie Mereau (1770 - 1806).
Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.
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