Wer nicht, voll reiner Menschenhuld,

mit rascher, schöner Ungeduld,

der Brüder tiefes Leiden sieht,

und tätig es zu lindern glüht;

 

Der, dessen Herz nicht höher schlägt,

von Mitempfindung süß bewegt,

wenn, von des Glückes Hauch belebt,

die Freude fremde Busen hebt:

 

Und flög′ sein Nam′ im Lichtgewand

des Ruhmes über Meer und Land,

und ordnete sein Herrscherblick

von Millionen das Geschick;

 

Und hätte ihm des Schicksals Hand

der Gaben schönste zugesandt:

das Glück, geliebt zu sein - gebricht

ihm dies Gefühl - ich neid′ ihn nicht!

 

O Mitgefühl, der Menschheit Glück!

was trocknete den nassen Blick

was hielt′ an der Verzweiflung Rand

zurück, wär′s nicht der Freundschaft Hand?

 

Sei ewig, ewig heilig mir!

Schon manche Freude dank′ ich dir.

Weint einst mein Aug′ in Mißgeschick,

so tröste mich dein Engelblick!


Das Gedicht "Mitgefühl" stammt von   (1770 - 1806).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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