Der Mensch hat nichts so eigen,

So wohl steht ihm nichts an,

Als daß er Treu erzeigen

Und Freundschaft halten kann;

Wann er mit seinesgleichen

Soll treten in ein Band,

Verspricht sich, nicht zu weichen

Mit Herzen, Mund und Hand.

 

Die Red ist uns gegeben,

Damit wir nicht allein

Vor uns nur sollen leben

Und fern von Leuten sein;

Wir sollen uns befragen

Und sehn auf guten Rat,

Das Leid einander klagen

So uns betreten hat.

 

Was kann die Freude machen,

Die Einsamkeit verhehlt?

Das gibt ein doppelt Lachen,

Was Freunden wird erzählt;

Der kann sein Leid vergessen,

Der es von Herzen sagt;

Der muß sich selbst auffressen,

Der in geheim sich nagt.

 

Gott stehet mir vor allen,

Die meine Seele liebt;

Dann soll mir auch gefallen,

Der mir sich herzlich gibt;

Mit diesem Bunds-Gesellen

Verlach ich Pein und Not,

Geh auf den Grund der Höllen

Und breche durch den Tod.

 

Ich hab, ich habe Hertzen

So treue, wie gebührt,

Die Heuchelei und Scherzen

Nie wissentlich berührt;

Ich bin auch ihnen wieder

Von Grund der Seelen hold,

Ich lieb euch mehr, ihr Brüder,

Denn aller Erden Gold.


Das Gedicht "Perstet amicitiae semper venerabile Faedus!" stammt von   (1605 - 1659).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.



Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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