Ich armer Madensack! Der ich vor wenig Wochen
Belebt, gerad und schön gleich einem Hirsche ging
und hoch geehret war und manchen Gruß empfing
Lieg hier nun hergestreckt und bin nur Haut und Knochen;

Die Glieder sterben nur, die Augen sind gebrochen.
War dieses, dass ich mich mit Golde so behing?
Ihr Freunde, haltet Mund und Nase zu, ich stink.
Ach Gott! so wird mein Pracht und Übermut gerochen!

Ihr Jung- und Frauen kommt, kommt spiegelt euch in mir!
Lernt hier, was Hochmut sei, was Stand, Gestalt und Zier′
Ihr seht, ich muss davon, mein Leben will sich schließen.

Lebt alle wohl, und habt euch stets in guter Acht!
Gedenkt wie mich der Tod so scheußlich hat gemacht!
Ich tanzte nur voran, ihr werdet folgen müssen.


Das Gedicht "Letzte Rede einer vormals stolzen und gleich jetzt sterbenden Jungfrau" stammt von   (1605 - 1659).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.



Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





Zur Startseite: Gedichte