3. Sept. 1640.

 

Der Herbst gibt schon sich an durch kurtzen Tag vnd Regen,

Man lieset Wein vnd Obst, das Korn ist abgemeyt,

Die Braut spricht aber, jetzt sey jhre Rosen-Zeit,

Ist Rosen-lüstern mehr als sie zu seyn hat pflegen.

 

Wie kläglich thut sie bloß der lieben Rosen wegen?

Mein, gebt sie jhr doch hin, geht aber was beyseit,

Gebt achtung, wie sie sich der Rosen halber frewt,

Vnd seht, sie wil sie gar auch in jhr Bette legen.

 

Was macht jhr, Jungfraw Braut? jhr fehlt der Sachen gantz,

Die Ros′ ist hier nicht zu, sie sol in ewren Krantz.

Wer nicht der Rosen Nutz erkennt, sol sie nicht brechen.

 

Doch geht es vns nicht an, jhr habt die Ros′ allein;

Wisst aber gleichwol, daß bey Rosen Dornen seyn,

Gebraucht euch ihrer wol, vnd hüttet euch: sie stechen.


Das Gedicht "Daniel Rose und Anna Löbbe" stammt von   (1605 - 1659).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.



Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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