Ich diene jedermann, dem Bürger und dem Bauer,

Ich diene groß und klein, früh, mittags und bey Nacht,

Ich werd auf jedem Schmauß sehr reichlich dargebracht:

Ich gleich der Bayren Tracht, und schicke mich zur Trauer,

Ich glänz und bin so fest wie Steine an der Mauer.

Mich liebt das Frauen-Volk; man ist zugleich bedacht,

Daß man mich vor der Hand der Diebe wohl bewacht,

Das Fleisch verfaulet bald; ich bin von beßrer Dauer.

Es ist mein Vaterland den wenigsten bewust.

Ich reise weit herum, und komm in viele Länder,

Ich bin ein guter Arzt, darneben ein Verschwender.

Auf! hohlt zum Zeitvertreib, und zur beliebten Lust

Dergleichen jetzt herbey; ja wer mich wird ergründen,

Soll einen Zucker-Hut davor zur Gabe finden.


Das Gedicht "Sonnet und Rätzel in ein Stambuch" stammt von   (1711 - 1740).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.



Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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